Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.
(Erich Kästner)

Die Ketten des Anhaftens

Ein Mann besuchte einen großen Mystiker, um herauszufinden, wie er die Ketten des Anhaftens und seine Vorurteile loswerden konnte. Statt ihm direkt zu antworten, sprang der Mystiker auf und lief zu einem Pfeiler in der Nähe. Er schlang die Arme um ihn, griff nach der marmornen Oberfläche und schrie:" Rette mich vor diesem Pfeiler! Rette mich vor diesem Pfeiler!" Der Mann, der die Frage gestellt hatte, traute seinen Augen nicht. Er glaubte, der Mystiker habe den Verstand verloren. Das Geschrei lockte bald eine Menschenmenge an. "Warum tust du das?" frage der Mann. "Ich bin zu dir gekommen, um dir eine spirituelle Frage zu stellen, weil ich dich für weise hielt. Aber du bist offenbar verrückt. DU hälst den Pfeiler fest, nicht umgekehrt. Du brauchst ihn nur loszulassen." Der Mystiker ließ den Pfeiler los und sagte: "Wenn du das verstehst, dann hast du deine Antwort. Deine Ketten des Anhaftens halten dich nicht fest-du hälst sie fest. Du brauchst sie nur loszulassen."

(Sufi-Geschichte)


Emotionen

in Zen-Meister erzählt folgende Geschichte: Ein älterer Mönch lebte in einem japanischen Kloster. Er war nicht besonders streng. Die jungen Novizen bewunderten ihn, weil ihn nichts aus der Ruhe zu bringen schien. Einige der jungen Männer beschlossen, ihn auf die Probe zu stellen, und sie verabredeten, ihn zu erschrecken. An einem dunklen Wintermorgen brachte der Mönch Tee in den Versammlungssaal. Die jungen Männer versteckten sich in der Nische eines langen, gewundenen Korridors in der Nähe des Eingangs. Als der Mönch vorbeiging, sprangen sie heraus und kreischten wie Verrückte. Ohne jede Regung ging der Mönch weiter, vorsichtig den Tee balancierend. Als er an seinem Bestimmungsort angekommen war, setzte er das Tablett ab und deckte die Kanne zu, um sie vor Staub zu schützen. Dann sank er gegen die Wand und rief voller Schrecken aus: Oh! Oh! Oh!

An Emotionen ist nichts Falsches. Man darf sich nur nicht von ihnen forttragen oder in seinem Tun stören lassen.

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